Gutachter arrow Aktuelles arrow Übersicht arrow Bewertung von Inventar aus Hotel- und Gaststättenbetrieben*
Bewertung von Inventar aus Hotel- und Gaststättenbetrieben* PDF Drucken

 
Dr. Rüdiger Link 

Inventar in Gebäuden stellt  unter Umständen ein erhebliches Wertvolumen dar. Dies gilt vor allem für gewerblich genutzte Flächen mit den darin befindlichen Gegenständen. Entsprechend dem Nutzungszweck ergeben sich spezifische Anforderungen an die Bewertung, welche nicht  durch die allgemeine Gebäudebewertung erfasst werden kann, sondern spezielle gutachterliche Tätigkeit erfordert. Dazu sollen im Nachfolgenden am Beispiel der Hotel- und Gaststättenbetriebe einige einführende Hinweise gegeben werden.

Gewerblich genutztes Inventar aus dem Bereich der Hotel- und Gaststättenbetriebe ist in der Regel wertintensiv. Dies betrifft sowohl Neuanschaffungen wie auch möglicherweise schon vorhandenes eingebautes Inventar. Im Prinzip kann man unter folgenden wesentlichen Geräte- und Einrichtungsgruppen differenzieren:
-    Thermische Großkochgeräte
-    Imbissgeräte/Kleingeräte
-    Arbeitsmöbel/Cafeteriaanlagen
-    Lüftungsanlagen
-    Geschirrspültechnik
-    Kältetechnik
-    Küchen-, Kaffeemaschinen
-    Bier- und Schankanlagen
-    Tresen- und Gastraumausbau incl. Zimmer und
       andere Räume
-    Zubehör (Geschirr, Gläser, Besteck u. a.)
-    Dekoration, Beleuchtung, Beschallung u. a.

Einzelne Gerätegruppen erfordern tiefgründiges Wissen
hinsichtlich der Planung und Realisierung als auch für die
Bewertung, denken wir nur an solche Bereiche wie Lüftung
oder Kältetechnik. Ganz speziell wird es zum Beispiel bei
Hausbrauereien oder bei Beleuchtung und Beschallung in
Großdiskotheken sowie beim Innenausbau von Hotel und
Gaststätten.

Wesentlich für die Bewertung ist der Zweck der Bewertung. Dabei ist zu differenzieren, zwischen der Bewertung für
-    Verkauf
-    Beleihung
-    Versicherung/ Schadensermittlung u. a.

Mit Auftragserteilung muss also genau der Zweck und der zu ermittelnde Wert definiert werden. Gerade bei den Wertbegriffen sind eindeutige Festlegungen und Abstimmungen zu treffen, da auch die Wertdefinitionen in der Vergangenheit unterschiedlich gehandhabt wurden. In der Praxis werden vor allem der Zeitwert, der Wiederbeschaffungswert und der Verkehrswert ermittelt. Ausgangspunkt jeder Bewertung ist neben dem Zweck auch die genaue Definierung des Bewertungszeitraumes sowie die Ermittlung der Anschaffungs- oder Neuwerte der zu bewertenden Gegenstände. Vorhandene Rechnungen oder andere Unterlagen sind nur bedingt zu verwerten. Oft weisen die Rechnungen nicht eindeutige oder falsche Rechnungsbeträge aus. Eine Kontrolle der Anschaffungswerte im Vergleich zu Neuwerten ist unerlässlich. In der Regel wird dann der Neuwert als Basis der Berechnung genommen.   Nutzungs-, Restnutzungsdauer und Restwert sind Parameter, welche sich aus langjährigen
Analysen mit Herstellern, Lieferanten und Fachhändlern sowie aus der Fachliteratur ergeben. Für die Bewertung (Abwertung) von gewerblich genutzten Maschinen und Einrichtungen, unter die das betrachtete Fachgebiet fällt, hat sich die arithmetisch-degressive Abwertung durchgesetzt. Der Verlauf ist qualitativ im Bild 1 dargestellt (rote Kurve). Keineswegs ist die allgemein übliche lineare Abwertung, welche zumeist noch mit der steuerlichen Abschreibung (AfA-Tabellen) verwechselt wird, zu empfehlen (Bild 1 / grüne Gerade).

Im Bild 1 wird folgendes Beispiel dargestellt:
    Berechnung des Zeitwertes am Beispiel eines         Fassvorkühlers zum Stichtag 1.6.2005 bei einer      angenommenen Nutzungsdauer von 8 Jahren. Weitere     Voraussetzung sind der Anschaffungswert im Jahr     2002  in Höhe von 1715,15 €  und die Festlegung des     Restwertes mit 5% des Anschaffungswertes. Weitere     Faktoren die in die Berechnung eingehen, wie     Zustandsfaktor oder Zeitwertfaktor werden hier nicht     berücksichtigt. Deutlich sind die Unterschiede bei den     betrachteten Abwertungsverfahren zu erkennen. Der     zum Stichtag ermittelte Zeitwert beträgt demnach     644,42 €.

Image
 
Bild 1:     Abwertungsverfahren am Beispiel der                         Zeitwertermittlung eines Fassvorkühlers


*    Der Autor ist von der IHK Dresden öffentlich bestellt und vereidigt als     Sachverständiger für die Inventarbewertung von Hotel- und Gaststättenbetrieben. Das Sachverständigenbüro Dr. R. Link ist außerdem     im Bereich der Planung für Hotel- und Gaststättenbetriebe tätig. Der     Autor ist Mitglied im LVS und BVS.
Literatur:
    „Leitsätze für die Bewertung von Maschinen“ IfS 2. Auflage 1999/ ISBN     3-928-528-01-7